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Abseits der Touristenpfade

Unseren ersten freien Tag wollten wir gerne außerhalb von Addis verbringen. Der Mann meiner Kollegin (Tegeni) hatte auch schon eine Idee, denn der Opa von David, eines Kindergartenfreundes seiner Tochter, hatte ein Hotel außerhalb der Stadt. Zunächst wurde also ein Minibus für uns organisiert, der uns für 700 Birr (28€) den ganzem Tag zur Verfügung stehen würde. Unser erster Stopp war das Atelier des Freundes (der, der vor einigen Tagen in der Badewanne lag).
Das war schon schräg, denn ich hatte nicht vermutet das man inmitten all der kleinen Hütten ein Atelier  mit drei Räumen und Holzdielen finden kann. Wobei das so nicht ganz stimmt, denn die drei Räume waren die Ausstellungsräume, das Atelier lag mit zwei Räumen ohne Tageslicht darunter. Hier saßen drei weitere Künstler am Laptop, was auch irgendwie nicht so richtig ins Abbild passte, denn kam man aus der Tür, wusch dort eine alte Frau ihre Wäsche vor ihrer Bretterhütte. 

Zwei der Künstler  komplettierten unsere kleine Reisegruppe dann auf  der Fahrt ins Grüne. Ok, ich gebe zu, ich hatte mir das Hotel etwas anders vorgestellt. Es lag an einer Hauptstraße und bestand auf den ersten Blick aus einer Bar und vier sonnengeschützten Steinboxen mit Plastikstühlen und Tischen. Hier aßen wir dann auch erst einmal zu Mittag. Wir Touristen Cheesburger, Salat, Fisch und Spaghetti, die Äthiopier Injera und "äthiopisches Sushi". Rohes Biorindfleisch in ziemlich großen Stücken.

Während des Essens kam dann auch Davdis Opa zu uns. Der 80jährige hatte früher bei Äthiopien Airlines gearbeitet und zeigte seinen Status unter anderem durch seine goldene Uhr und die zwei klobige Ringe. Es wurde erst einmal äthiopischer Honigwein geordert, der zwar nach Honig riecht, aber eher muffig schmeckt. "Opa" ist Deutschlandfan und trank wohl auch deshalb ein gezapftes Bier nach dem anderen. Nach dem Essen lud er uns dann in sein Haus ein, indem auch drei Gästezimmer waren. Sein Privatbereich bestand aus einem großen Raum, der zeitgleich Wohnzimmer, Esszimmer und Küche war. 
Stolz präsentierte er uns sein Kunstwerke, die vor allem die Künstler unserer Gruppe ausgiebig würdigten. Opas Haushälterin musste uns dann einen Schnaps servieren, der wie Grappa schmeckte und die Freude war groß, dass ich diesen auf Ex trank - was mir blöderweise einen zweiten einbrachte :-(
Das Haus war für europäische Verhältnisse eher kritisch und gar nicht gemütlich eingerichtet. Am Küchentresen standen Hochstühle aus den 60er Jahren, der Esstisch war eher Barock und im Wohnzimmerbereich stand ein großer Panasonic Fernseher. Kitschiger wurde es im Flur, denn dort gab es eine geflieste Rundbar auf der ein Plastikvogel stand der bei Bewegung zwitscherte. Und die Krönung waren Elefantenfüsse als Hocker.
Auch den kleinen Garten mit Teich und Apfelbaum mussten wir uns noch ansehen und uns auf den weichen Rasen setzen - bei Vollmond ein sehr romantischer Platz, wie Opa mir mit einem Augenzwinkern erzählte.

Da wir erst am späten Vormittag losgefahren waren, verging die Zeit recht schnell und wir machten uns wieder auf den Rückweg. In der Stadt verabschiedeten wir uns von unserem Minibus und machten uns nach einem kurzen Souvenir-Shopping-Stop auf zu Tegenis Mutter.

Diese lebt in einer typisch äthiopischen Wohnung. Hinter einer Kneipe an einer Strasse ging es durch eine Blechtür in einen kleinen Hof, von wo es dann zu unterschiedlichen "Wohnungen" ging. Seine Mutter hat zwei Räume. Der erste ist das Wohnzimmer, dass aufgrund unseres Besuches mit Gras ausgelegt war. Neben Sofa, Esstisch und Sesseln fehlte auch die Schrankwand und der Fernsheschrank nicht in dem kleinen Zimmer. Nebenan war die Küche und der Schlafbereich. Nachdem wir mit Getränken versorgt waren wurden Fotoalben herumgereicht und immer wieder neue Ankömmlinge begrüßt. Neben der Mutter waren am Ende auch die Schwester, der Bruder und einige Nachbarn mit uns im Wohnzimmer. Nach kurzer Zeit wurde dann das Essen aufgefahren. Es gab Injera, das heisst, zahlreichen Schälchen mit Gemüse, Fleisch und Käse wurden auf dem Esstisch untergebracht und uns immer wieder angeboten.

Tegenis Mutter kochte auf einer kleinen Feuerstelle Kaffe, der nach dem Essen als klassische Kaffeezeremonie gereicht wurde. Wir bekamen dann auch noch die Gelegenheit zwei Nachbarwohnungen anzusehen. In den zwei Zimmern die wir gesehen haben schlafen bis zu fünf Personen in Hochbetten und auf Matratzen auf der Erde. Ähnlich wie ich es schon  in vielen anderen Ländern erlebt habe, ist es auch hier. Aus unserer materiellen Welt sind diese Lebensumstände absolut nicht vorstellbar, aber betrachtet man den Zusammenhalt der Familien und Nachbarn und die Gastfreundschaft, so können wir eine Menge von diesen Menschen lernen.

Gegen neun verließen wir dann Tegenis Familie und machten uns auf den Rückweg. Die Taxifahrt war dann doch ziemlich abenteuerlich. Nachdem der Fahr zwischendurch mal eben getankt hat, sprang der Wagen zunächst nicht an und musste angeschoben werden. Ab diesem Moment ging dann aber leider das Licht nicht mehr, was aber wohl nur uns beunruhigte. Der Fahrer fuhr in den Gegenverkehr und auch nicht gerade langsam und es gab ein paar Situationen, in denen es nicht ganz ungefährlich war. Als wir ausstiegen waren wir alle mehr als erleichtert, heile angekommen zu sein.

27.10.14 16:21

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Guy (27.10.14 16:33)
Hey,kriegst ja eine menge geboten und sehr viel mit...ich bin sehr gespannt....liebe grüße

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